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Staatsspion

Lehrer-Benotung durch Schüler erlaubt

geschrieben am 27.11.07 um 18:56 Uhr von Lothar Baier

So was gab’s zu meiner Zeit nicht. Schade. Hätt ich auch gern gemacht: Lehrer bewerten bei Spickmich.de. Finden die Lehrer aber gar nicht gut. Und haben deshalb geklagt. Durch zwei Instanzen. Und verloren. In beiden Instanzen. Un da gibt es jetzt keine Rechtsmittel mehr. Also müssen die Lehrer damit leben, dass Schüler genau das tun, was sie selbst auch tun: Noten vergeben. Finden Sie aber unverschämt (Das benotet werden, nicht das Noten verteilen).

Mehr dazu im Focus.

Abgelegt unter: Beamtenrechte/Pflichten

  1. Rudi
    schrieb am 27.11.07 um 21:07 Uhr (Permalink):

    Ja klar benote ich meine Schüler, das ist nämlich mein Job. Zur Bewertung auf Spickmich gibt es aber zwei erhebliche Unterschiede: ich mache das nicht öffentlich und eine Note für „Sexappeal“ habe ich auch noch nicht verteilt. Letzteres ist mir übrigens egal, ersteres weniger. Achja, da wäre noch was: wenn ich eine schlechte Zensur verteile kommen Eltern, zur Not mit Anwalt. Ich muss meine Notengebung begründen und belegen. Wieso gesteht mir ein Gericht eigentlich nicht das gleiche Recht zu?

  2. Lothar Baier
    schrieb am 28.11.07 um 06:02 Uhr (Permalink):

    Das kann ich Dir erklären, es wird Dir aber auch nicht gefallen. Es ist ganz einfach: Du bist der Angestellte der Eltern. Sie zahlen mit Ihren Steuergeldern Dein Gehalt. Und deswegen bist Du Ihnen Rechenschaft schuldig. Die Schüler aber sind Dir anvertraut, nicht unterstellt. Und deswegen sind sie Dir keine Rechenschaft schuldig.

    Da wir aber in einem Rechtssystem leben, dass die freie Meinungsäußerung in der Verfassung verankert hat, dürfen die Schüler ihre Meinung über Dich frei äußern. Und es bleibt Dir unbenommen, Dich gegen Beleidigungen, Verleumdungen und ähnlichem mit Hilfe Deines Anwalts zu wehren. Aber Du wirst Dir gefallen lassen müssen, benotet zu werden, genau so, wie die Schüler. Denn das ist Bestandteil von „freie Meinungsäußerung“ und das Recht Deines Arbeitgebers.

    Ich habe selbst drei Kinder groß gezogen und weis daher, dass Kinder nicht immer bequem und fair sind. Aber eins sind sie, wenn ihnen nicht die Eltern, die Schule oder das Leben bereits etwas anderes beigebracht haben: ehrlich.

    Und die Lehrer, die ich selbst in der Jugend ertragen musste, und auch die, die meine Kinder ertragen mussten, hatten alle das gleiche Problem: Sie hielten sich für einen Teil der Staatsmacht, haben versucht diese auszuüben und haben nicht begriffen, das sie Staatsdiener sind.

    Ach ja, noch eins: Es ist keineswegs Dein Job, Schüler zu benoten. Deine Aufgabe als Lehrer ist, Kinder, die Dir anvertraut wurden, zu unterrichten. Und das geht auch ganz ohne Noten. Wenn Du Deine Aufgabe als Job siehst, solltest Du Dir mal überlegen, ob Du nicht den falschen Job hast.

  3. Rudi
    schrieb am 28.11.07 um 06:57 Uhr (Permalink):

    Also ich fange mal von hinten an: Das mit „Job“ kommt also offenbar genauso beknackt an wie „Beruf“. Wenn man nämlich schreibt, man sei „von Beruf“ Lehrer, dann bekommt man das nämlich auch um die Ohren gehauen: Oh guck mal, ein Berufener. Ich glaube, dass ich meinen Beruf sehr wohl engagiert und auch im Sinne meiner Schüler ausübe – bisher hatte ich jedenfalls keine negativen Rückmeldungen und auch mein Auto ist noch nicht beschädigt worden.
    Klar kann ich meinen Beruf auch ohne Noten ausüben, aber irgendwann muss ich dann. Ob Noten jetzt gut oder schlecht sind, ist ein völlig neues Thema, aber die Realität ist: ich komme nicht drumrum.
    Um die Sache ein wenig abzukürzen: mit vielem was Du angemerkt hast bin ich einverstanden. Im Grunde auch mit „Noten für Lehrer“. Was aber nicht wirklich gut läuft: warum wird das öffentlich gemacht? Ich schreibe doch die Zeugnisnoten meiner Schüler auch nicht auf irgendwelche Internetseiten. Achja: bekommen dann Polizisten, Ärzte und Krankenschwestern etc auch ein Bewertungsforum?
    Noch was: Dass Deine Kinder behütet aufgewachsen sind, sollte sie zu großer Dankbarkeit verpflichten, das ist nämlich heute nicht mehr selbstverständlich. Und dass Eltern sich auch für ihre Kinder interessieren auch nicht. Wenn dann aber die Sache schiefläuft… O-Ton eines Vaters, nachdem sein Sohn drei Toiletten mit jeweils vier Rollen Klopapier völlig verstopft hatte: „Das ist mir egal, solange er in der Schule ist, soll er sich austoben, das echte Leben kommt erst danach“.

  4. Lothar Baier
    schrieb am 28.11.07 um 07:12 Uhr (Permalink):

    Warum die Benotung öffentlich ist? Weil die Noten, die Du vergibst, auch öffentlich sind. Erstmal nur in der Klasse, aber nach der Schulzeit auch noch erheblich weiter. Weil ich zu jeder Bewerbung meine Zeugnisse beilegen muss. Weil ich mit den falschen Noten dank Numerus Clausus bestimmte Fächer nicht studieren kann etc. Und ich bin auch dafür, andere Staatsbedienstete zu bewerten. Ich hielt es immer schon für einen Fehler, dass echte Leistungsüberprüfungen (ihm wahren Leben selbstverständlich) meist nicht stattfinden, und wenn doch, keine ernsthaften Auswirkungen haben.

    Wenn ich meine Arbeit schlecht mache, dann werde ich gefeuert. Wenn ein beamteter Staatsdiener seine Arbeit schlecht macht, dann wird er versetzt oder schlimmsten Falls in den einstweiligen Ruhestand versetzt, bei vollen Bezügen, versteht sich.

    Ich verstehe Deinen Frust über Schüler wie in Deinem obigen Beispiel. Und besonders über Eltern wie oben. Aber dass hat jetzt nun mal gar nichts mit freier Meinungsäußerung zu tun. Selbst dummen Schülern und noch dümmeren Eltern räumt unsere Verfassung das Recht ein, sich frei zu äußern. Und das ist auch gut so. Weil dumme Politiker dürfen’s ja auch.

  5. schrieb am 28.11.07 um 09:58 Uhr (Permalink):

    Nein, Schulnoten sind nicht öffentlich und werden es auch nicht dadurch, dass man Zeugnisse vorzeigt um einen Job oder ein Studium zu bekommen. Denn in dem Fall ist es ein freiwilliges Geben, um etwas zu bekommen. Wenn man meint kann mans ja auch ohne Zeugnisse mal versuchen – mit der richtigen Begründung und ansonsten tollen Argumenten halte ich das nichtmal für völlig unmöglich. Letztlich hat es jedenfalls jeder selbst in der Hand, wem er seine Noten zeigt.

    Allerdings find ich es umgekehrt auch nicht schlimm, wenn Lehrer bewertet werden, das gleiche gibts ja auch zum Beispiel mit Professoren, was auch nicht jedem gefallen dürfte.

    Man kann sich drüber streiten, ob es unbedingt nötig ist das so öffentlich zu machen. Aber da die meisten Schulen und Unis solche Bewertungssysteme nicht selbst anbieten, bleibt ja nunmal kaum eine Alternative.

    Ich finds traurig, dass gerade Lehrer es nötig haben dagegen zu klagen, statt selber eine Alternative anzubieten. Warum nicht am Schuljahresende einen Fragebogen austeilen und sich anonym bewerten lassen?

  6. Lothar Baier
    schrieb am 28.11.07 um 10:26 Uhr (Permalink):

    Jan, ich denke nicht, dass man einen Studienplatz in einem Numerus-Clausus-Fach bekommt, ohne seine Abiturnote zu benennen und nachzuweisen. Und einen Ausbildungsplatz kriegt man wohl auch kaum, ohne Schulzeugnisse vorzuweisen. Und – eine Bewertung in einem Schüler-Portal ist erst mal eine kurzfristige Sache, mit einer schlechten Schulnote im Zeugnis muss ich mein Leben lang leben.

  7. schrieb am 30.11.07 um 13:00 Uhr (Permalink):

    Na klar aber trotzdem bleibt doch die Angabe an sich freiwillig. Niemand kann einen zwingen. Außer der ökonomische Druck und der eigene Ehrgeiz natürlich aber das ist ja nun nicht das selbe. Ich finde den Vergleich an sich recht windschief.

  8. Dieter Pferdekamp
    schrieb am 04.12.07 um 11:40 Uhr (Permalink):

    Spickmich.de eine gute Idee? Da habe ich da so meine Zweifel! Die Idee für diesen Webauftritt noch als gut, sie gar als tolles Startup zu bezeichen lässt befürchten, was noch alles in dieser Richtung zu erwarten ist: Permanentes Ranking von alles und allem, eben mal so zum Spaß und oft auch aus Langeweile. Ist Beliebigkeit, angepasstes Verhalten daraus die Folge, um keine schlechte „Note“ zu bekommen? Die Bild-Zeitung lässt grüßen! Eine Frage sei erlaubt: “Womit verdienen die Betreiber von Spickmich.de eigentlich Ihr Geld?” Mit der öffentlichen Benotung von Lehrern? Mit dem Frust oder der Lust der Schüler? Oder etwa mit den Daten, die von denen, die sich einloggen dürfen, erhoben und dann auf den Markt gebracht werden? Dies ist für mich letztlich die wirklich interessante Frage an diesem und evtl. weiteren “Projekten” dieser Art im Internet!

  9. schrieb am 08.12.07 um 13:09 Uhr (Permalink):

    Naja, so kann mans auch sehen. Was aber der Erfolg solcher und ähnlicher Seiten (z.B. meinprof.de) beweist, ist das Vorhandensein eines Bedarfs nach so etwas.

    Wie ich bereits andeutete, könnten Lehrer solchen Portalen doch selbst den Wind aus den Segeln nehmen, indem sie ihren Unterricht selber von ihren Schülern benoten lassen. Denn das kann man auch zur Verbesserung des eigenen Unterrichtes verwenden, sofern einem Veränderungen nicht allzu unangenehm sind (was aber leider oft der Fall ist, wie ich aus meiner noch nicht allzulang vergangenen Schulzeit weiß).

    Die Frage, was mit den Daten geschieht stellt sich letztlich bei jedem Emailprovider. Es taugt damit nicht als Argument ausgerechnet gegen diesen Dienst.

  10. schrieb am 09.12.07 um 13:40 Uhr (Permalink):

    Auch wenn ich diese Seite nicht benutzt habe, finde ich die Idee nicht schlecht. Über die Tatsache, dass die Noten öffentlich sind, lässt sich streiten – es sollte eine Funktion eingerichtet werden, dass der Lehrer sein Profil gegenüber Fremden sperren kann.

    Abgesehen davon ist es aber schon fast normal, dass die Schulnoten, besonders mündliche Noten, im Klassenraum öffentlich verkündet werden – bei den meisten Lehrern kann man dies zwar verhindern, aber einige Lehrer sind so unfair bzw. Datenschutz-brechend, dass sie trotz wiederholter Aufforderung, die Note nicht kundzugeben, dies trotzdem tun.

    Eine Klage gegen diesen Lehrer wäre wohl ebenfalls nicht aussichtsvoll, geschweige denn die Konsequenzen in der weiteren Schullaufbahn…

  11. Nico Bruning
    schrieb am 23.01.08 um 15:17 Uhr (Permalink):

    Also ich finde die Idee mit der Lehrerbenotung garnicht schlecht. Nur die Umsetzung ist fragwürdig. Kriterien wie „cool und witzig“ oder „beliebt“ sind nicht wirklich unterrichtsrelevant. Die Aufgabe eines Lehrers ist es nämlich, Stoff zu vermitteln und nicht einen Joke nach dem anderen zu reißen.
    Wir haben in unserer Schule jetzt seit zwei Jahren Fragebögen zur Rückmeldung an die Lehrer eingeführt. Da hat sich acuh schon das eine oder andere Positive heraus erkennen lassen. Und es ist den Lehrer frei überlassen ob sie die Bögen austeilen oder nicht.


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